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Interview mit Bundestrainer Uli Forstner

"Auch ein super Team braucht ein Quentchen Glück im entscheidenen Moment."


Einen Tag vor dem Abflug nach Tasmanien sprach das DHB-Webteam mit Junioren-Bundestrainer Uli Forstner über die WM.


(Junioren-Bundestrainer Ulrich Forstner)

Frage: In einigen Tagen geht die WM los. Bist du mit dem Leistungsstand des Kaders zufrieden? Sind die Spieler termingerecht „eingestellt“ und kurz vor dem Höhepunkt ihrer Leistung??

Forstner: Ja, ich bin mit dem Leistungsstand zufrieden. Wir haben über alle Spieler hinweg eine sehr gute Ausdauerleistungsfähigkeit entwickelt, die man für ein so großes Turnier dringend braucht und auch im Schnelligkeitsbereich sind wir auf einem guten Stand. Nach dem letzten Lehrgang und den Spielen gegen unseren A-Kader brennen nun alle darauf, dass es endlich losgeht


Frage: Die bisherige Spielbilanz 2001 ist positiv. Von 18 Länderspielen habt ihr seit deinem Amtsantritt 12 gewonnen. Gibt das Sicherheit und Selbstvertrauen?

Forstner: Natürlich hilft es sehr, wenn man gegen so starke WM Konkurrenten wie Korea, Malaysia oder Holland gewonnen hat! Das zeigt allen, dass wir das Potential haben ganz vorne mitzuspielen und mit Selbstbewußtsein das Turnier angehen können.


Frage: Wie charakterisierst du dein/euer Spielkonzept? Konntest in den letzten Monaten Elemente deines individuellen Spielkonzeptes vermitteln? Unterscheidet der sich in vielen Punkten dem deines Vorgängers?

Forstner: Variabel und schwer ausrechenbar in der Defensive; schnell, kreativ und zielstrebig in der Offensive. Ich denke es ist ja gerade eine unserer deutschen Stärken, daß sich das Spielkonzept der Jugendnationalmannschaften und des Herrenteams in den wesentlichen Punkten nicht unterscheidet, sondern sich ein roter Faden von der Jugend B bis zu den Herren durchzieht und über Jahre hinweg eingeübt, verbessert, weiterentwickelt wird. Das bedarf einer intensiven Zusammenarbeit der Trainer und Betreuer, die bei uns prima funktioniert!


Frage: Deutschland wurde bereits viermal Weltmeister (1982, 1985, 1989, 1993). Was überwiegt? Der Anreiz den Titel erneut zu holen oder spürt ihr einen großen Druck? Es ist ja auch für dich die erste große Bewährungsprobe in deinem neuen Job.

Forstner: Wenn ich es mir hätte aussuchen dürfen, hätte ich mir sicherlich nicht gleich eine WM als 1. Turnier in meinem neuen Job gewünscht. Aber durch die lange und gute Zusammenarbeit mit Bernhard Peters als U16 und U18 Trainer hatte ich gute Startbedingungen und habe damit kein Problem. Die sehr guten Ergebnisse meiner Vorgänger Bernhard Peters und Paul Lissek aber auch die hohe Erwartungshaltung an unsere starke Mannschaft üben natürlich schon einen gewissen Druck aus. Auf der anderen Seite ist es eine Riesenchance und Herausforderung für die Mannschaft und das Trainer- und Betreuerteam wieder ein so gutes Ergebnis zu schaffen. Der Druck wird uns nicht lähmen, sondern für ein gutes Anspannungsniveau sorgen, so dass wir sehr konzentriert und mit dem nötigen Respekt vor den Gegnern in unsere Spiele gehen.


Frage: Liest man die Namen des für die WM nominierten Kaders, dann hast du ein starkes Team zur Verfügung. Viele Spieler haben bereits reichlich Erfahrung mit dem A-Kader gemacht und auch dort Erfolge gefeiert. Ist es schwierig, besonders diese erfahrenen Spieler, für eine Junioren-WM zu motivieren?? Gibt es Probleme bei der Eingliederung ins Team, um dieses „viel beschworene“ Gemeinschaftsgefühl zu entwickeln??

Forstner: Diesbezüglich gab es gar keine Probleme! Alle Spieler die auch schon im A-Kader gespielt haben sind genauso hoch motiviert wie die anderen und wollen unbedingt Junioren-Weltmeister werden! Was das Gemeinschaftsgefühl angeht war es sicherlich etwas schwierig weil zwar jeder einige Maßnahmen mitgemacht hat aber nur der allerletzte Lehrgang mit den endgültigen WM Fahrern bestritten wurde. Aber die Jungs sind in dieser Beziehung ziemlich unproblematisch und die Woche vor der WM wird uns da sicherlich auch noch weiterhelfen.


Frage: Wodurch zeichnet sich das Juniorenteam 2001 besonders aus?

Forstner: Die Mischung aus sehr guten und schon sehr erfahrenen Spielern und einigen individuell überdurchschnittlich starken Stürmern, die in der Lage sind, ein Spiel zu entscheiden.


Frage: Noch im Sommer hatten die Junioren gewisse Probleme mit der Strafeckenausbeute. Habt ihr in den letzten Wochen ein Patent für diese Standartsituation entwickelt?? Konnten die Fehlerquellen ausgemacht und ausgemerzt werden?

Forstner: Ja klar, wir schießen jede Strafecke einfach rein!!


Frage: Eine weiteres Problem waren die Torleute; Uli Bubolz hat sich erst in den letzten Länderspielen und Lehrgängen als der 1. Mann herauskristallisiert. Was ist los mit den deutschen Keepern? Nicht nur die Junioren sondern auch die Herren haben mit der Besetzung dieser Position ihre Sorgen.

Forstner: Uli Bubolz hat sich schon recht bald als die Nr. 1 herausgeschält. Er hatte eher das Problem, dass er in allen Spielen ziemlich wenig aufs Tor bekommen hat und erst letzte Woche gegen den A-Kader sich so richtig „einspielen“ konnte. Dies hat er mit Bravour getan und wird mit Thomas Jähn zusammen ein ruhiger und sicherer Rückhalt für die Mannschaft sein. Die Entscheidung über die Nr. 2 hinter Uli Bubolz fiel allerdings sehr spät und war ein ganz enges Ding zwischen Christian Wild und Thomas Jähn.. Martin Wagner konnte aufgrund seiner schlimmen Knieverletzung gar nicht mehr in den Kampf um die WM-Plätze eingreifen. Es ist richtig, daß wir in allen Altersklassen feststellen, daß es uns an einer gewissen Breite von sehr starken Torhütern fehlt. Um diese wollen wir uns in Zukunft intensiver bemühen und führen deshalb im kommenden Jahr erstmals einen Lehrgang nur für Torhüter und Stürmer durch.


Frage: 16 Mannschaften nehmen bei der Junioren-WM teil. Gespielt wird in vier Vorrundengruppen. Es trennt sich direkt die Spreu vom Weizen. Leidvolle Erfahrung mit diesem System haben im Mai die deutschen Juniorinnen gemacht. Wie findest du diesen Spielmodus?

Forstner: Um die Qualifikation fürs Halbfinale zu schaffen kannst du dir in keinem Modus mehrere Ausrutscher erlauben. In 4er-Gruppen sicherlich noch weniger als in 6er- oder 8er-Gruppen. Insofern ist dieser Modus vielleicht etwas härter.


Frage: Gruppengegner in der Vorrunde (Gruppe D) werden Argentinien, Neuseeland und Malaysia sein. Wie schätzt du sie ein?

Forstner: Malaysia ist wahrscheinlich der stärkste Gegner in unserer Gruppe. Wenn die ihre starke Leistungen vom jüngsten 5-Nationenturnier (2. Platz hinter Australien und vor Korea, Indien und England) halten können, sind sie ein Kandidat fürs Halbfinale. Über Argentinien und Neuseeland konnte ich trotz intensiver Bemühungen nichts Wesentliches in Erfahrung bringen. Da muß man auf alles gefaßt sein! Bei günstigen Jahrgangskombinationen könnten sowohl Argentinien als auch Neuseeland sicherlich eine starke Mannschaft stellen. Es kann aber auch der umgekehrte Fall möglich sein!


Frage: Welche Nationen betrachtest du als eure größten Konkurrenten im Kampf um den Titel? 1997 qualifizierten sich Deutschland, Indien, Australien und England für die Halbfinalspiele. Sind das wieder Mannschaften, die um den Titel kämpfen werden?

Forstner: Australien im eigenen Land ist sicherlich ein sicherer Halbfinalkandidat. Daneben sehe ich Indien, Korea, Holland, Spanien und natürlich unsere Mannschaft als die Mannschaften, die den Sprung ins Halbfinale schaffen können. England schätze ich dieses Jahr nicht so stark ein.


Frage: Warum hat es in der Vorbereitung keine Spiele gegen Niederlande, Spanien, England, Australien oder Pakistan gegeben??

Forstner: Holland hat uns sämtliche Terminvorschläge abgesagt, so dass es nur zu einem Spiel beim 4-Nationen-Turnier in Wien kam. Auch mit Spanien und England konnte trotz intensiver Bemühungen kein gemeinsamer Termin gefunden werden. Über die Möglichkeit in Australien oder Pakistan zu spielen, brauchten wir bei unserer angespannten Finanzlage gar nicht nachzudenken. Mit Korea und Malaysia hatten wir allerdings auch den Erst- und Drittplazierten der letzten Asienmeisterschaft bei uns zu Gast. Das war wichtige Spiele für uns!


Frage: Abschließend wüsste ich noch gerne, wie oder besser in welcher Stimmung du die Reise nach Australien antrittst? Die Jungs sind durch die Bank absolut siegessicher. Bist du auch so gelassen und vom Erfolg überzeugt? Oder quält man sich als Trainer stets mit dem Gedanken, nicht alles geschafft, nicht jede Situation 150%ig trainiert zu haben??

Forstner: Ich bin schon angespannt, aber auch optimistisch und sehe eine wichtige Aufgabe von mir darin, die Jungs auf dem Boden zu halten, von Spiel zu Spiel zu denken und nie den Glauben aufkommen zu lassen, schon irgendetwas erreicht zu haben bevor nicht die entsprechende Ergebnisse auf dem Platz erzielt wurden!!!
Wir haben auch mit unserem Psychologen Lothar Linz über diese Situation gesprochen und ich bin überzeugt davon, dass wir die richtige Mischung aus Selbstvertrauen, Selbstbewußtsein und dem nötigen Respekt vor unseren Gegnern finden werden um unser großes Ziel, Weltmeister zu werden, mit der notwendigen Spannung aber auch optimistisch anzugehen. Um in einem solchen großen Turnier ganz vorne zu landen braucht man im richtigen Moment auch mal ein Quentchen Glück. Und das ist ja bekanntlich mit den Tüchtigen! Vom Training her wird es immer Punkte geben, die man hätte noch öfter und noch intensiver trainieren können. Darüber mach ich mir jetzt aber keine Gedanken mehr. Wir haben uns ein gutes Ausgangsniveau erarbeitet und wollen uns im Turnier noch weiter steigern denn die ganz dicken Spiele kommen ja bekanntlich erst am Ende des Turniers!!


(Das Interview führte Britta Peters)


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