Jugendhockey

 

Gute Turniere mit durchweg spannendem Verlauf

Einschätzungen der DHB-Beobachter von der Hallen-DM der weiblichen Jugend

 

26.02.2019 - Wie die Bundestrainer als offizielle DM-Beobachter die Deutschen Meisterschaften des weiblichen Nachwuchses aus ihrem Blickwinkel erlebt haben, wird nachstehend in einer Nachlese zu den Turnieren in Grünstadt (Weibliche Jugend A; mit Sven Lindemann und Nicklas Benecke), Krefeld (Weibliche Jugend B; mit Akim Bouchouchi) und Bad Kreuznach (Mädchen A; mit Markku Slawyk) beschrieben.

 

Weibliche Jugend A: Mit der größten Breite an die Spitze

Der letzte Erfolg von Rot-Weiss Köln bei den Deutschen Hallenmeisterschaften der ältesten weiblichen Nachwuchsspielklasse lag noch weit vor der Neustrukturierung der Altersklassen. 1984, als Köln erstmals den blauen Meisterwimpel holte, hieß es noch Weibliche Jugend. Jetzt, bei der 19. DM der Weiblichen Jugend A in Grünstadt, setzten sich die Domstädterinnen wieder durch. In einem rein westdeutschen Finale gewann Rot-Weiss gegen Uhlenhorst Mülheim nach 1:1 und einem 4:3 im Shoot-out. „Köln war taktisch hervorragend eingestellt und hatte eine nahezu unfassbare Breite im Kader“, hoben die beiden DHB-Beobachter der Meisterschaft, U18-Bundestrainer Sven Lindemann und U21-Co-Trainer Nicklas Benecke, die größten Trümpfe des neuen Meisters hervor.

 

Ausgezeichnete Spielerinnen der WJA-Meisterschaft: Lynn Neuheuser, Lea Thomas, Carlotte von Hülsen und Kim Barvencik (von links).

 

Das Turnier entwickelte sich sehr spannend. Mit einer einzigen Ausnahme verliefen am Samstag alle Spiele äußert knapp, und fast alle Teams hatten bis zu ihrem dritten und letzten Gruppenspiel noch die Aussicht auf einen Platz im Halbfinale. Für Sven Lindemann war dies auch der Tatsache geschuldet, dass man in dieser Altersklasse „viel Qualität in der Breite“ habe, ohne dass sich allerdings Spitzen herauskristallisiert hätten. „Hier war kein Team eine Klasse für sich, und auch die ein, zwei Topspielerinnen, die den großen Unterschied ausgemacht hätten, gab es nicht“, so Lindemann. Selbst die mit jeweils drei Siegen als Gruppengewinner hervorgehenden späteren Finalisten Köln und Mülheim hätten ausnahmslos knappe Ergebnisse zustande gebracht. Als symptomatisch für die Ausgeglichenheit bezeichnete Lindemann den Umstand, dass es im Anschluss an die Gruppenspiele am Samstagabend noch eigens ein Shoot-out zwischen Lichterfelde und Nürnberg um Platz 3 und 4 in Gruppe A geben musste, das die Fränkinnen 3:2 gewannen.
Dass am Sonntag schließlich Köln das Rennen um den Wimpel machte, hatte für Nicklas Benecke zunächst damit zu tun, dass im Halbfinale UHC Hamburg und Berliner HC ihre hohe Qualität „nicht ganz so auf die Platte gebracht“ hätten. Und der Unterschied zwischen den Finalisten Mülheim und Köln bestand für den Beobachter darin, dass Uhlenhorst hinter seiner „richtig guten ersten Fünf“ mehr Probleme hatte als Köln, die Qualität auf höchsten Level zu halten. „Der Markus konnte praktisch ohne Leistungsabfall komplett durchwechseln“, so Benecke über die Ausgeglichenheit im Kader von Köln-Trainer Markus Lonnes.
Auf Initiative des Ausrichters wurde die Findung der besten DM-Spielerinnen bei dieser DM den Trainern aller beteiligten Mannschaften übertragen. Die meisten Punkte auf den Stimmzetteln erhielten Lim Barvencik (Berliner HC) für die Torwartposition, Lea Thomas (RW Köln) als Verteidigerin, Lynn Neuheuser (Mülheim) für die Mittelposition und Charlotte von Hülsen (Mülheim) als Stürmerin. „Sonst hat sich niemand, den wir sichtungstechnisch nicht schon kannten, in den Vordergrund gespielt“, brachte das Wochenende für Benecke „personell nichts Überraschendes“.
Die Leistungen der Schiedsrichter wurden positiv beurteilt. „Da waren auch mal Fehler dabei, aber nichts Dramatisches. Und wenn es mal Diskussionen mit Trainern oder Spielerinnen gab, so wurde dies von den jungen Unparteiischen sehr cool gesteuert“, lobte Benecke die Fähigkeit zur guten Kommunikation. Ein Problem sieht der Co-Trainer der U21-Nationalmannschaft in der „unterschiedlichen Interpretation des Schlägerstellens“. Dies werde, so Beneckes Eindruck, „international komplett anders“ gepfiffen, als er es oft bei der DM in Grünstadt erlebte, wobei Benecke den jungen Unparteiischen keinen Vorwurf machen will: „Es ist ja auch ein schwieriges Thema.“
Die DM-Ausrichtung des VfR Grünstadt erlebten beide Beobachter als „sehr liebenswert“ (Lindemann). Der Verein, der in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen feiert und Ende Mai mit der Ausrichtung des DHB-Bundestages noch einmal in den nationalen Fokus rücken wird, war überaus engagiert, es allen Gästen recht zu machen.

Weibliche Jugend B: Alles „mit Hand und Fuß“

Eine ganz große Rolle spielt der Mannheimer HC bei der Weiblichen Jugend B. In den vergangenen sieben Jahren stand der MHC-Nachwuchs in dieser Altersklasse sechs Mal im Hallen-DM-Endspiel. Nun gab es in Krefeld bei der 19. Hallenmeisterschaft der U16-Mädchen den insgesamt fünften Siegerwimpel für die Mannheimerinnen, die im Endspiel gegen den Berliner HC nach Shoot-out die Oberhand behielten. „Das hatte alles Hand und Fuß“, war Juniorinnen-Bundestrainer Akim Bouchouchi als offizieller DM-Beobachter vom „guten Niveau“ dieser Meisterschaft angetan.
In einem „sehr engen Teilnehmerfeld“ hätten sich am Ende mit Mannheim und Berliner HC „die stabilsten und taktisch am klügsten agierenden Mannschaften“ durchgesetzt, wobei der MHC nach einem ausgeglichenen Finale im Shoot-out dann „die besseren Nerven“ besessen habe, so Bouchouchi. Für ihn als Beobachter auffällig war, dass alle acht Mannschaften mit „viel Dynamik am Samstag ins Turnier gestartet“ wären, doch je mehr dann im Sinne der Qualifikation für das Halbfinale auf dem Spiel stand, desto vorsichtiger seien die Aktionen dann geworden. „Für alle war dann viel zu verlieren“, spürte Bouchouchi, wie die Teams zunehmend das Risiko scheuten. Die Spitze dieser Tendenz sei das 0:0 im allerletzten Gruppenspiel zwischen Wiesbadener THC und Gastgeber Crefelder HTC gewesen. Ein Resultat, das für beide Teams das Ende aller Titelträume bedeutete. Für den ESV München, der sich im Endspiel der Süddeutschen Meisterschaft noch über Mannheim durchgesetzt hatte und nach den sehr guten Auftritten am Samstag für den Bundestrainer „ein Kandidat fürs Finale war“, kam dann im Halbfinale gegen den MHC das etwas überraschende Aus.

Die bei der WJB mit Sonderpreisen bedachten Spielerinnen Leonie Weißenberger, Linda Bens, Michaela Wienert, Philine Drumm, Johanna Kandler und Cara Sambeth (von links), flnkiert von CHTC-Olympiasieger Linus Butt (links) und Bundestrainer Akim Bouchouchi.  Foto: Kramhöller

 

Ins Allstarteam der besten DM-Spielerinnen berief der Bundestrainer die Torhüterin Leonie Weißenberger (Mannheimer HC) und die Feldspielerinnen Philine Drumm (Berliner HC), Johanna Kandler, Cara Sambeth (beide ESV München), Linda Bens (Mannheim) und Michaela Wienert (TuS Lichterfelde). Die Festlegung dieses Allstarteams war Akim Bouchouchi „nicht so einfach gefallen“, weil auch Linnea Weidemann (Berliner HC), Sarah Kardorf (TuS Lichterfelde) und Lia Becker (Großflottbeker THGC) ähnlich stark aufgespielt hätten. Ebenfalls auffällig positiv seien die Darbietungen von Jette Fleschütz (Flottbek), Elissa Mewes (Wiesbadener THC), Isabella Schmidt und Paulina Mayer (beide Mannheim) gewesen. Die Qualität des „in Breite und Spitze sehr gut besetzten Jahrgang 2002“ habe sich bei dieser DM gezeigt, aber auch der Umstand, dass die Talente auf viele Vereine verteilt wären.
Bei den Schiedsrichterleistungen sah Bouchouchi Parallelen zu den Auftritten der Teams. Nach sehr gutem Beginn hätten sich mit der Zeit „ein paar Flüchtigkeitsfehler eingeschlichen“. Doch in der Summe seien die Spiele „gut und unauffällig geleitet“ worden. Die Entscheidungen der gut betreuten Unparteiischen hätten bei Teams und Trainern eine „gute Akzeptanz“ erfahren oder wurden durch eine gute Kommunikation der Beobachter mit den Trainern aufgefangen. DM-Ausrichter Crefelder HTC sorgte mit liebevoller Betreuung der Gäste und einem guten Livestream für einen sehr guten Rahmen.

Mädchen A: Reifste Mannschaft ungeschlagen zum Titel

Mit dem Sieg des Bremer HC endeten die 49. Deutschen Hallenmeisterschaften der Mädchen A. In Bad Kreuznach setzte sich der Gewinner der Nord-Ost-Zwischenrunde ohne Verlustpunkt durch und besiegte im Endspiel den Mannheimer HC mit 3:1. „Die reifste Mannschaft hat verdientermaßen gewonnen“, sagte U16-Bundestrainer Markku Slawyk als offizieller DHB-Beobachter des zweitägigen Turniers.
Insgesamt erlebte Slawyk nach eigener Aussage „ein gutes Turnier auf taktisch hohem Niveau mit schnellen Spielen und vielen guten Eins-gegen-Eins-Situationen in der Offensive“. Auffällig für den Bundestrainer war, dass das Abwehrverhalten „oft unsauber“ durchgeführt wurde, womit technische und auch individualtaktische Handlungen gemeint waren. „Und das hat sich durch alle Teams gezogen“, so Slawyks Beobachtung.

Mit Sonderpreisen bei der MA-Meisterschaft bedacht: Lotte Nafzger, Emma Himmler, Emma Fuhr, Hanna Gottwald, Mia Rosser und Lena Frerichs mit Bundestrainer Markku Slawyk (von links).

 

Die Bremerin Lena Frerichs war nach Auffassung des Bundestrainers „die überragende Spielerin des Turniers“, als „Dreh- und Angelpunkt“ habe sie ihr BHC-Team angeführt. Dass Frerichs (Slawyk: „Für ihr Alter spielt sie schon bemerkenswert abgeklärt“) im Finale auch die ersten beiden Tore zum 2:0 schoss, unterstreicht die Wichtigkeit der Bremer Mittelspielerin auf dem Weg zum Titel. Neben Lena Frerichs berief der DM-Beobachter noch Torhüterin Hanna Gottwald (Wiesbadener THC) und die Feldspielerinnen Mia Rosser (Uhlenhorst Mülheim), Emma Fuhr (Wiesbaden), Emma Himmler (Mannheimer HC) und Lotte Nafzger (Harvestehuder THC) ins Allstarteam. Weil sie ebenfalls überdurchschnittliche Leistungen gezeigt hätten, führte Slaywk auf einer „Long List“ noch die Spielerinnen Johanna Mühl (Bremer HC), Charlotte Hendrix, Lisa Schubert (beide Mannheimer HC), Josefine Wahmes, Carolin Seidel, Lale Schilling (alle Wiesbadener THC), Mira Hildebrand (Club Raffelberg), Antonia di Racca (Harvestehuder THC), Katharina Becker (Uhlenhorst Mülheim), Madita Marx, Annika Mahrad (beide Berliner SC), Fabia Stepping und Sydney Decher (beide SC Frankfurt 80) auf.
Die Nachwuchsschiedsrichter agierten nach Ansicht von Markku Slawyk „gut und für ihr junges Alter schon sehr reif. Es gab keine spielentscheidenden Fehler.“ Trotzdem hatten die beiden jungen Turnierleiter Stefan Lenke und Marcel Schmitz „einiges zu tun“, so Slawyk, aber sie hätten ihre Aufgabe gut gelöst. Dem Gastgeber Kreuznacher HC attestierte der Beobachter eine „hervorragende Ausrichtung“. Große Fanblöcke der einzelnen Mannschaften hätten für eine „Riesenstimmung“ und eine „tolle Atmosphäre“ in der Halle gesorgt.

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16. Juni 2019
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